EM-Bronze geht in den Kreis Olpe

Johanna Pulte von der SG Wenden erkämpft sich Bronze bei dem Cross-Europameisterschaften in Turin.

Turin/Wenden. Westfalenpost, 13.12.22 - Volkher Pullmann. Alles andere als optimal war für Johanna Pulte von der SG Wenden die Vorbereitung auf die Cross-Europameisterschaften in Turin. „Allein, dass sie starten konnte, war schon überraschend“, so ihr Heimtrainer Egon Bröcher – und dann kommt die 18-Jährige mit einer Bronzemedaille dank großartiger Einzelplatzierungen ihrer Mannschaftskameradinnen zurück. Es ist nach Gold mit der Mannschaft im Vorjahr in Dublin das zweite Edelmetall für Johanna Pulte bei einer Cross-EM.

Dass es für Johanna Pulte „nur“ zu Rang 33 im 88er-Feld der U20-Athletinnen reichte, ist ihrem großen Trainingsrückstand geschuldet. Auf ihre Teilnahme bei der DM-Cross musste sie schon wegen Corona verzichten.

„Unter diesen Umständen hat Johanna eine tolle Leistung abgeliefert“, ist Egon Bröcher voller Bewunderung über seinen Schützling. Mit genau einer Minute Rückstand zur spanischen Siegerin zog sie sich hervorragend aus der Affäre. Den dritten Platz für das fünfköpfige DLV-Team sicherten Kira Weis, Lisa Merkel und Sofia Benfares ab.

Anspruchsvoller Parcours

„Wir hatten zwei Tage vor dem Abflug nach Turin noch einen Test gemacht und überlegt, ob sich der Trip nach Turin überhaupt lohnt“, verriet Egon Bröcher. Die Medaille sagt eigentlich alles. Der mehr als anspruchsvolle Parcours im Piemonte-La Mandria Park forderte bei strahlendem Sonnenschein, aber bei Temperaturen nur minimal über dem Gefrierpunkt alles ab. Den Blick für das herrliche Alpenpanorama hatten die Aktiven allerdings weniger.

Johanna Pulte im Interview mit leichtathletik.de: „Ich hatte noch vor drei Wochen Corona, lag zwei Wochen im Bett und konnte mich nur eine Woche vorbereiten. Aber ich wollte das Rennen mitnehmen und hatte nicht an eine Absage gedacht. Ich bin mega glücklich, dass ich laufen konnte. Ich wusste aber nicht, wie ich drauf bin. Der Rennverlauf war nicht so gut, ich bin zu schnell losgelaufen. In der ersten Runde war der Berg leicht, in der zweiten Runde dann sehr hart, ich dachte, ich kann nicht mehr.“

Das deckt sich auch mit der Aussage von Egon Bröcher, der das Rennen am Livestream verfolgte. „Da waren zwar nur relativ kurze, aber steile Anstiege dabei. Wenn dann aber die Kräfte schwinden, wird es am Berg sehr schwer und der Anstieg wird immer länger. Bei all den Problemen im Vorfeld war es gut, dass sie angetreten ist. Das Erlebnis einer Cross-Europameisterschaft kann ihr niemand nehmen.“ Und die Bronzemedaille auch nicht, die hat sie sich mehr als verdient.

Echter Feierabend

Aus diesem Holz sind starke Athletinnen – und natürlich auch Athleten – geschnitzt. Und Johanna Pulte hatte allen Grund, mit ihrer Mannschaft am Sonntag einen echten Feierabend zu inszenieren. „Da wird jetzt was los sein, die werden ordentlich feiern“, vermutete Egon Bröcher am Sonntagnachmittag, als das U20-Quintett mit den Golden-Girls der Frauen insgesamt vier Medaillen sich selbst hochleben ließen. Mit Weltklasse-Athletinnen wie Konstanze Klosterhalfen sitzt man nicht so häufig ungezwungen zusammen.

Kira Weis, die schnellste DLV-Athletin der U20, wird bei leichtathletik.de wie folgt zitiert: „Es hat unheimlich viel Spaßgemacht. Ich wollte einen Platz im vorderen Feld und bin jetzt total zufrieden mit Platz sechs. Die Strecke hat richtig gebockt.“ Zum Vergleich: Beim Deutschen Crosscup in Pforzheim qualifizierte sich Johanna Pulte auf Platz zwei hinter Kira Weis für die EM, aber noch vor Lisa Merkel, die jetzt in Turin als Dreizehnte ins Ziel kam. Auch wenn solche Vergleiche vielleicht etwas hinken, so lassen sie doch einige Rückschlüsse zu.

DLV schneidet prima ab

Mit der Ausbeute konnten also zumindest die deutschen Frauen sehr zufrieden sein. Zu Bronze in der Mannschaftswertung der ‚U20-Women‘ kamen mit Konstanze Klosterhalfen (Platz zwei) und Alina Reh (Platz drei) bei den ‚Senior Women‘ zwei Einzelmedaillen. Mit Hanna Klein landete die dritte Deutsche auf Rang vier – das war Gold für die Mannschaft versteht sich dann von selbst.

Schon auf Platz sechs kommt dann die vierte DLV-Vertreterin Miriam Dattke. Schließlich landete Caterina Granz unter den 68 Läuferinnen im ersten Drittel des Feldes – vergleichbar etwa mit der Leistung Johanna Pultes.